Eine Reserve zum Zuschlagen, nicht zum Parieren
Im napoleonischen System besitzt jedes Armeekorps seine Deckungskavallerie, doch die entscheidende Masse — Kürassiere, Karabiniers, Reservedragoner — wird unter einem einzigen Kommando zusammengefasst. Joachim Murat, der flamboyante Marschall, erhält diese Reserve. Seine Mission: eine Bresche ausnutzen, eine fliehende Armee verfolgen oder, wie bei Preußisch Eylau, eine Katastrophe schließen.
Die Organisation wandelt sich: Divisionen von Grouchy, d'Hautpoul, Klein, Milhaud und anderen je nach Jahr; manchmal vorübergehende Aufspaltung in mehrere Kavalleriekorps. Das Wesentliche bleibt: Tausende Pferde hinter der Linie in der Hand, bereit, auf Befehl vorzustürmen.
Murat verkörpert das Bild des Reichskavaliers — Feder, Dolman, Panache — doch die Reserve, die er führt, ist auch eine logistische Maschine: Futter, Hufeisen, Remonte, Kolonnendisziplin.
Austerlitz und Jena: die Ausnutzung
Bei Austerlitz greifen Reservekavallerie und Gardekavallerie ein, als das Koalitionszentrum kippt: Verfolgungen, Stöße gegen die russische Garde, Beitrag zum endgültigen Zusammenbruch. Bei Jena und in der preußischen Verfolgung von 1806 vervielfacht Murat die Attacken und Aufforderungen an Festungen: die Kavallerie verwandelt einen Feldsieg in strategischen Zusammenbruch.
Diese Feldzüge zeigen die Reserve in ihrer « klassischen » Rolle: nicht eine gebrochene Linie retten, sondern einen bereits aus dem Gleichgewicht gebrachten Feind vollenden. Die Straßen Deutschlands füllen sich mit Säbeln und Gefangenen.
Preußisch Eylau, 8. Februar 1807: die Attacke der 80 Eskadronen
Am 8. Februar 1807 zerfällt unter einem Schneesturm das VII. Korps Augereaus vor den Russen. Eine Bresche von etwa fünfzehnhundert Metern öffnet sich im französischen Zentrum; Napoleon ist bedroht. Er wendet sich an Murat. Die Reserve — Divisionen von Grouchy, d'Hautpoul, Klein, Milhaud, leichte Brigaden — setzt sich in Bewegung: etwa 80 Eskadronen, also rund 10 700 bis 12 000 Reiter nach den Schätzungen.
Die Attacke durchstößt das russische Zentrum an mehreren Punkten, geht hindurch, greift erneut an. D'Hautpoul wird tödlich verwundet. Die französischen Verluste sind schwer — in der Größenordnung von fünfzehnhundert außer Gefecht gesetzten Reitern — doch die Linie hält. Ohne diesen Eingriff hätte Preußisch Eylau vor dem Eintreffen der Verstärkungen eine schwere Niederlage werden können.
Die Literatur — Balzac und der Oberst Chabert, Hugo und der Friedhof von Eylau — hat das Bild eingefroren: Schnee, Säbel, Pulvernebel. Die Militärgeschichte sieht darin vor allem einen massiven, koordinierten Einsatz schwerer Kavallerie und Dragoner zur Wiederherstellung eines gebrochenen Zentrums.
Von Tilsit zur Moskwa
Nach Tilsit bleibt die Kavalleriereserve ein Reichswerkzeug: Spanien für manche Abteilungen, Wagram für andere Massen. 1812 führt Murat noch immer immense Reiterkolonnen nach Russland. An der Moskwa vervielfacht die französische Kavallerie die Stöße gegen Redouten und russische Linien; die Pferdeverluste, schon vor Moskau kritisch, werden auf dem Rückzug katastrophal.
Die Reserve, die Preußisch Eylau gerettet hatte, kann eine Armee nicht retten, deren Reittiere an Kälte und Hunger sterben. Die Lehre ist brutal: ohne Remonte und ohne Futter ist der glänzendste Säbel nur noch ein erschöpfter Infanterist.
Gedächtnis und Nachwirkung
Murat endet als König von Neapel, dann 1815 nach einem verzweifelten Abenteuer erschossen. Die Kavalleriereserve, die er symbolisiert, überlebt in den Stäben als Modell — und als Warnung. Die Attacken von Eylau bleiben studiert; sie erinnern daran, dass eine gut eingesetzte Kavalleriemasse eine Schlacht ändern kann, aber weder Infanterie noch Artillerie auf Dauer ersetzt.
Für Empire Napoléon ist Murats Reserve der bewaffnete Arm des Stoßes: Austerlitz zum Ausnutzen, Jena zum Verfolgen, Preußisch Eylau zum Retten, die Moskwa zum Sich-Erschöpfen. Zwischen Panache und Remontestatistik erzählt sie die ganze Größe und Fragilität der kaiserlichen Kavallerie.
Wenn die Kürasse von Eylau noch in den Museen glänzen, sprechen sie weniger vom König von Neapel als von jenen Tausenden Männern, die an einem Schneenachmittag akzeptierten, in den Rauch zu stürmen, um eine Bresche zu schließen.