Armeekorps

V. Korps (Lannes)

Vorhut von Montebello

1805-1809

Das V. Armeekorps, vom Marschall Jean Lannes befehligt, bildet oft die Vorhut der Grande Armée. Saalfeld (10. Oktober 1806), Jena, Pułtusk, Friedland: der Herzog von Montebello treibt seine Divisionen zum Kontakt, bevor der Rest der Armee eintrifft. Bei Essling am 22. Mai 1809 tödlich verwundet, nimmt Lannes einen Teil der offensiven Seele des Kaiserreichs mit sich.

Lannes und das V. Korps: die verkörperte Vorhut

Jean Lannes, der derbe und treue Gascogner, erhält 1805 den Befehl über das V. Korps. Napoleon, der ihn wie wenige andere Marschälle schätzt, überträgt ihm gern die Missionen, bei denen die Straße geöffnet, ein Durchgang erzwungen und bis zum Eintreffen der Massen gehalten werden muss. Das Korps mischt erprobte Infanteriedivisionen, leichte Kavallerie und Artillerie, die bereit ist, sich schnell zu entfalten.

Bei Austerlitz befehligt Lannes den französischen linken Flügel: während Soult im Zentrum zuschlägt und Davout die Rechte hält, fesselt und stößt das V. Korps die Koalitionsaufstellung in seinem Abschnitt. Fünf Tage später verlässt Lannes aus noch diskutierten Gründen vorübergehend die Armee; Lefebvre übernimmt die interimistische Führung. Die Episode löscht den Platz des Korps im Sieg der Drei Kaiser nicht aus.

Der Stil Lannes — Nähe zum Feuer, direkte Sprache, Anspruch an die Divisionsgeneräle — prägt dem V. eine Vorhutkultur ein: man marschiert weit voraus, man kämpft oft als Erster.

Saalfeld und Jena: das Tor nach Preußen

Am 10. Oktober 1806 trifft das V. Korps bei Saalfeld auf die preußisch-sächsische Vorhut des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen. Lannes siegt; der Prinz fällt im Gefecht. Vier Tage später bildet das V. bei Jena das französische Zentrum, nimmt am Vortag zuerst den Landgrafenberg und nimmt dann an der Vernichtung der gegnerischen Armee teil. Die Verfolgung führt die Kolonnen bis zur Ostsee; Stettin fällt.

Diese Tage prägen das Bild eines Korps, das allein eine feindliche Vorhut binden und sich dann ohne Zeitverlust in die Hauptschlacht einfügen kann. Lannes wartet nicht, bis alles bereit ist: er schafft die Bedingungen für das Weitere.

Polen, Pułtusk und Friedland

In Polen stößt das V. Korps bei Pułtusk (26. Dezember 1806) auf die Russen; Lannes wird verwundet. Im Frühjahr 1807 kehrt er zum Feuer zurück: Heilsberg, dann Friedland am 14. Juni. Bei Friedland hält Lannes mit seinem Korps — als Köder dienend — Bennigsen stand, bis Napoleon und der Rest der Grande Armée eintreffen. Vier Stunden methodischen Widerstands gehen der russischen Zerschlagung voraus.

Friedland veranschaulicht die Rolle des V.: nicht nur stürmen, sondern fesseln, aushalten, das Zeitfenster öffnen, in dem sich der kaiserliche Plan schließen kann. Die Belohnungen folgen — Herzogtum Montebello — und bald Spanien.

Spanien: Tudela, Saragossa

Auf die Halbinsel entsandt, schlägt Lannes die Spanier bei Tudela (23. November 1808) und leitet dann die Belagerung von Saragossa, deren Kapitulation im Februar 1809 einen städtischen Widerstand seltener Gewalt beendet. Das V. Korps oder die je nach Phase unter seiner Autorität stehenden Truppen entdecken einen Krieg der Straßen, befestigter Klöster und einer bewaffneten Bevölkerung — fern den offenen Feldern Deutschlands.

Saragossa prägt Lannes: dort streift der Ruhm das Grauen. Für den Österreichfeldzug von 1809 zurückgerufen, bringt er eine bittere Erfahrung des unregelmäßigen Krieges und moderner Belagerungen mit.

Essling: der Tod des Marschalls

Im April–Mai 1809 kämpft Lannes bei Abensberg, Landshut, Eggmühl und Regensburg. Bei Aspern-Essling (21.–22. Mai) befehligt er den rechten Flügel — dann an der Spitze des provisorischen II. Korps der Armee von Deutschland, nicht mehr des V. von 1805–1807. Am 22. Mai zerschmettert ihm eine Kugel ein Knie und zerfetzt das andere Bein. Amputiert, agonisiert er mehrere Tage; Napoleon wohnt seinen letzten Augenblicken bei. Lannes stirbt am 31. Mai 1809 in Wien: der erste Marschall des Kaiserreichs, der im Feuer fällt.

Das Verschwinden Lannes’ beraubt das Kaiserreich seiner menschlichen Vorhut. Das V. Korps führt unter anderen Chefs fort, doch die Legende bleibt an den Gascogner gebunden, der die Straßen öffnete. Für Empire Napoléon verkörpert das Paar Lannes–V. Korps die kontrollierte Kühnheit: früh zuschlagen, lange halten, in der ersten Reihe sterben.

Die Soldaten, die hinter ihm von Saalfeld bis Friedland marschiert waren, bewahrten die Erinnerung an einen Chef, der wie sie fluchte und wie sie stürmte — eine seltene Kombination in der kaiserlichen Hierarchie.

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