Ursprünge und Gründung
1806 schafft Napoleon die Füsilierregimenter der Garde — Füsiliere-Grenadiere und, in derselben Expansionsbewegung, Füsiliere-Jäger —, um die Eliteinfanterie zu verstärken, ohne die Kriterien der Alten Garde sofort zu verwässern. Diese Formationen bilden, was die Historiographie die Mittlere Garde nennt.
Das Vorhaben ist klar: eine Qualitätsreserve zu bieten, rekrutiert unter guten Liniensoldaten, die jedoch noch nicht die zehn Dienstjahre und die Statur der Grenadiere zu Fuß verlangt. Die Mittlere Garde wird so eine Zwischenstufe des Systems.
Im Laufe der Dekrete präzisieren sich Bezeichnung und Status. Für den Soldaten wie für den Feind bedeutet die Zugehörigkeit zu den Füsilieren-Grenadieren bereits den Eintritt in den engen Kreis der Garde.
Organisation und Bestände
Die Füsiliere-Grenadiere organisieren sich in Regiment(ern) und Bataillonen nach dem Modell der Gardeninfanterie. Ihre Bestände wachsen mit den Bedürfnissen der Feldzüge; sie bleiben gleichwohl deutlich unter den Massen der nach 1809-1813 geschaffenen Jungen Garde.
Generäle der Gardeninfanterie — Curial, Roguet und andere je nach Periode — erscheinen im Kommando dieser Formationen. Mortier befehligt oft Verbände, die sie einschließen.
In der Dreiteilung Alte / Mittlere / Junge Garde ist ihr Platz zentral: zu « neu » für die strenge Alte Garde, zu selektiert, um mit den Tirailleurs verwechselt zu werden.
Uniform, Bewaffnung und Rekrutierung
Die Uniform der Füsiliere-Grenadiere nähert sich der der Garde an und unterscheidet sich zugleich von den Grognards: Tschako statt Bärenmütze für einen großen Teil der Periode, Aufschläge und Gradabzeichen, die der Mittleren Garde eigen sind. Die Bewaffnung bleibt das reglementäre Infanteriegewehr.
Die Rekrutierung schöpft aus den Linienregimentern unter Männern guter Führung und geeigneter Größe, mit einer Dienstzeit unter der für die Alte Garde geforderten. Die Beförderung zu den Füsilieren-Grenadieren ist bereits eine begehrte Belohnung.
Die Ausbildung zielt auf dieselbe Professionalität wie die übrige Garde: Salvenfeuer, Manöver in Kolonne, defensive Festigkeit. Ab 1813 beschleunigt der Druck der Verluste manchmal die Einverleibungen.
Waffentaten
Die Füsiliere-Grenadiere kämpfen von ihrer Schaffung an in Preußen und Polen, dann im Österreichfeldzug von 1809 — Essling und Wagram —, wo die Gardeninfanterie stärker eingesetzt wird als zu Beginn des Kaiserreichs.
In Russland, an der Moskwa, sind Elemente der Mittleren Garde im Reserveaufgebot präsent. Der Rückzug dezimiert Kader und Soldaten. 1813-1814 nimmt die Mittlere Garde an den Schlachten in Deutschland und an der Verteidigung des französischen Bodens teil.
Am 18. Juni 1815 bei Waterloo sind es vor allem Formationen der Mittleren Garde — darunter die Füsiliere und Gleichgestellte nach der Organisation der Hundert Tage —, die zum Endangriff gegen das alliierte Zentrum antreten. Das Scheitern dieses Angriffs unter dem Feuer der britischen Karrees und mit dem Eintreffen der Preußen markiert das militärische Ende des Kaiserreichs.
Die Verluste dieses Tages, verbunden mit der Legende der Garde, die « stirbt und sich nicht ergibt », haben manchmal die präzise Unterscheidung zwischen Alter und Mittlerer Garde verdunkelt: die moderne Historiographie bemüht sich, sie wiederherzustellen.
Erbe und Erinnerung
Die Mittlere Garde leidet unter einer relativen populären Vergessenheit zugunsten der Grognards mit Bärenmütze. Doch ohne die Füsiliere-Grenadiere hätte das napoleonische Reservesystem die Ausweitung der Kriege nach 1806 nicht getragen.
Waterloo hat paradoxerweise ihre Erinnerung festgeschrieben: sie waren es, mehr als die Alte Garde, die die letzte Infanterieoffensive des Kaisers trugen.