Vier Tage nach Waterloo
In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni nach Paris zurückgekehrt, wollte der Kaiser eine neue Armee aufstellen: einhundertzehntausend Mann standen noch unter Waffen und die nördlichen Festungen hielten. Doch die im Mai gewählte, von Liberalen beherrschte Repräsentantenkammer erklärte sich auf La Fayettes Antrag für permanent tagend und warnte, jede Auflösung wäre Hochverrat.
Der Rat vom 22. Juni
Lucien, aus Italien zurück, drängte seinen Bruder, die Kammer aufzulösen und diktatorisch zu regieren. Napoleon lehnte ab: „Ich bin nicht von Elba zurückgekehrt, um das Blut von Paris fließen zu lassen.“ Fouché, Polizeiminister und bereits in Verbindung mit Ludwig XVIII. und den Alliierten, orchestrierte den parlamentarischen Druck.
Am 22. unterschrieb der Kaiser: „Mein politisches Leben ist beendet, und ich proklamiere meinen Sohn unter dem Namen Napoleon II. zum Kaiser der Franzosen.“ Die Kammer nahm die Abdankung zur Kenntnis, umging aber die Proklamation des Sohnes und setzte eine fünfköpfige Regierungskommission unter Fouchés Vorsitz ein.
Malmaison, dann Rochefort
Napoleon zog sich am 25. Juni nach Malmaison zurück, dem Haus der im Vorjahr verstorbenen Joséphine. Er bot an, als einfacher General zu dienen: die Kommission lehnte ab und schickte ihm Pässe. Am 29., als die Preußen näher rückten, brach er nach Rochefort auf.
Napoleon II. in Wien erfuhr nie, dass er auf dem Papier vierzehn Tage regiert hatte. Ludwig XVIII. kehrte am 8. Juli nach Paris zurück; die zweite Restauration begann, und mit ihr der Weiße Terror.
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