Am 20. und 21. Mai 1813 griff Napoleon das an der Spree um Bautzen verschanzte russisch-preußische Heer an. Nachdem er den Gegner am ersten Tag gebunden hatte, sollte Ney ihn von Norden umfassen und ihm den Rückzug abschneiden; doch das Manöver blieb halbherzig, und die Verbündeten zogen in guter Ordnung ab. Der Sieg kostete jede Seite rund 20 000 Mann.
Kräfte im Feld
Ergebnis: Unvollständiger französischer Sieg
Frankreich · Rheinbund · Italien
- Napoléon
- Ney
- Soult
- Oudinot
- Marmont
- Macdonald
140 000 bis 180 000 Mann je nach Schätzung, davon nur ein Teil im Kampf
Verluste: Etwa 20 000 Mann, nach manchen Autoren bis zu 25 000
Russland · Preußen
- Wittgenstein
- Blücher
- Barclay de Tolly
- Miloradovitch
- Kleist
Etwa 96 000 bis 97 000 Mann
Verluste: Etwa 20 000 Mann nach den meisten Schätzungen, nach anderen 11 000 bis 14 000
Flaggen: Sodacan, CC BY-SA 3.0; David Liuzzo, Wikimedia Commons
Koordinaten der Schlacht
Bautzen
Koordinaten 51,1814° N · 14,4242° E
Schlachtbericht
Nach Lützen
Nach ihrer Niederlage bei Lützen am 2. Mai 1813 zogen sich Russen und Preußen zurück, ohne verfolgt zu werden: Seit Russland besaß Napoleon kaum noch Reiterei. Sie gingen über Dresden hinter die Elbe zurück und sammelten sich dann, nach einigem Zögern der Preußen, die Berlin decken wollten, vom 10. bis 13. Mai um Bautzen in der Oberlausitz. Die Nachhut unter Miloradowitsch hielt unterdessen das Korps Macdonald auf. Am 16. Mai stießen die Truppen Barclay de Tollys zu ihnen. Wittgenstein, der das verbündete Heer weiterhin befehligte, beschloss, in einer starken Stellung eine Schlacht anzunehmen, nahe an Österreich, auf dessen Kriegseintritt man hoffte.
Napoleon hatte sich einige Tage Zeit genommen, um seine Armee wieder in Ordnung zu bringen, in Dresden Depots anzulegen und Brücken über die Elbe zu schlagen. Dann teilte er seine Kräfte. Marschall Ney zog mit mehreren Korps nach Norden, als wolle er Berlin bedrohen; der Kaiser folgte mit der Hauptarmee und der Garde den Verbündeten nach Osten. Als er nach einem Nachhutgefecht am 15. Mai erkannte, dass ihn der Gegner bei Bautzen erwartete, befahl er Ney, über Hoyerswerda nach Süden zu schwenken und den Verbündeten in die rechte Flanke zu fallen.
Die Spreelinie
Die Verbündeten hatten auf dem rechten Spreeufer Stellung bezogen, auf einer Front von etwa fünfzehn Kilometern. Im Süden lagen Höhen, im Norden ein Land voller Teiche und Sümpfe. In der ersten Linie hielt das Korps Miloradowitsch die Anhöhen beiderseits der Stadt Bautzen. Dahinter war die mit Schanzen verstärkte Hauptstellung Kleist, Blücher und Yorck anvertraut; am äußersten rechten Flügel stand Barclay auf flachem Gelände ohne Anlehnung. Die russische Garde bildete die Reserve, und Zar Alexander und König Friedrich Wilhelm III. hatten ihr Hauptquartier im Dorf Wurschen.
Die Verbündeten verfügten über etwa 96 000 bis 97 000 Mann. Napoleon brachte weit mehr zusammen, je nach Schätzung 140 000 bis 180 000 Mann einschließlich der Korps Neys, auch wenn nur ein Teil davon kämpfen sollte. Am Vortag der Schlacht, dem 19. Mai, versuchten Barclay und Yorck, Ney auf dem Marsch abzufangen: Bei Königswartha überraschte Barclay die italienische Division des Generals Peyri und rieb sie größtenteils auf, Peyri geriet in Gefangenschaft; Yorck dagegen stieß auf das Korps Lauriston, und beide mussten in ihre Stellungen zurückkehren.
20. Mai: Der Übergang über die Spree
Napoleons Plan sah zwei Schritte vor. Am ersten Tag wollte er frontal angreifen, um den Gegner zu binden und ihn zum Einsatz seiner Reserven zu zwingen; am zweiten sollte Ney von Norden her den rechten Flügel der Verbündeten umfassen und ihnen den Rückzug abschneiden. Gegen Mittag eröffnete die französische Artillerie das Feuer. Rechts griff das Korps Oudinot die von den Russen gehaltenen Höhen an, ohne entscheidenden Erfolg; in der Mitte scheiterte Macdonald zunächst vor Bautzen. Daraufhin überschritt Marmont unter dem Schutz von sechzig Geschützen die Spree und drängte die Truppen des Prinzen Eugen von Württemberg zurück. Seine Division Compans drang von hinten in Bautzen ein, das die Russen in aller Eile räumten.
Weiter nördlich, im Zentrum, dessen Führung Marschall Soult übertragen worden war, wurde das Korps Bertrand stundenlang von Kleist aufgehalten, den Blücher unterstützte. Erst die Einnahme des Dorfes Burk durch die Division Bonnet zwang Kleist zum Rückzug, und die ganze Spreelinie wurde überschritten. Am Nachmittag nahm Neys Vorhut im Norden den Übergang bei Klix, ohne an diesem Tag noch über die Spree zu gehen. Im Süden hatte Oudinot Boden gewonnen, und der Zar, überzeugt, dass die Hauptgefahr von dort drohte, schickte Verstärkungen dorthin.
21. Mai: Ney im Norden
Gegen 6 Uhr morgens wurde der Kampf wieder aufgenommen. Im Süden griff Oudinot erneut an. Gegen den Rat Wittgensteins, der eine Entblößung seines rechten Flügels fürchtete, verstärkte der Zar Miloradowitsch abermals, und Oudinot wurde bis an die Spree zurückgeworfen. Napoleon verweigerte seinem Marschall die Unterstützung: Die Entscheidung sollte im Norden fallen. In der Mitte beschränkten sich beide Seiten weitgehend auf eine heftige Kanonade.
Im Norden drängte Ney Barclay zurück, der vergeblich um Verstärkung bat. Schon um 10 Uhr besetzte die Division Souham das Dorf Preititz im Rücken Blüchers. Doch der Rest von Neys Truppen rückte nur vorsichtig nach, und Kleist, von Blücher entsandt, nahm Preititz zurück. Statt geradewegs auf den Rücken der Verbündeten und ihre Rückzugslinie vorzustoßen, verbiss sich Ney in den Kampf um das Dorf, das er erst am Nachmittag wieder einnahm. Viele Historiker haben ihm vorgeworfen, das Ziel des Manövers aus den Augen verloren zu haben; andere betonen, wie knapp die Befehle Napoleons und Berthiers für eine so entscheidende Aufgabe gefasst waren.
Gegen 14 Uhr setzte Napoleon endlich sein Zentrum in Bewegung. Soult ließ die Kreckwitzer Höhen, den Schlüssel der Stellung Blüchers, durch Truppen Bertrands stürmen, die sie nach erbittertem Kampf nahmen. Von drei Seiten unter Feuer, zog sich Blücher rechtzeitig zurück und vereinigte sich mit Yorck. Gegen 16 Uhr befahl der Zar den allgemeinen Rückzug. Russen und Preußen zogen in guter Ordnung nach Osten ab; die Reiterei Latour-Maubourgs vermochte ihren Karrees nichts anzuhaben. Das Korps Reynier, das Napoleon nicht rechtzeitig herangezogen hatte, traf erst am frühen Nachmittag ein.
Bilanz
Napoleon behauptete das Schlachtfeld, doch der Sieg blieb unvollständig und teuer. Nach den gängigsten Schätzungen verlor jede Seite etwa 20 000 Mann, die Kämpfe vom 19. Mai eingerechnet; andere Autoren nennen bis zu 25 000 Mann auf französischer Seite und nur 11 000 bis 14 000 bei den Verbündeten. Einer oft erzählten Anekdote zufolge verdächtigte der Kaiser, erschrocken über die vielen Verwundeten unter seinen jungen Soldaten, diese der Selbstverstümmelung, um dem Kampf zu entgehen, und wollte Exempel statuieren; sein Chirurg Larrey soll ihn davon abgebracht haben.
Am folgenden Tag, dem 22. Mai, schlug bei Reichenbach eine verirrte Kanonenkugel wenige Meter von Napoleon entfernt ein: Sie tötete General Kirgener und verwundete den Großmarschall des Palastes Duroc, einen seiner engsten Freunde, tödlich; er starb am nächsten Tag. Ohne Reiterei verlief die Verfolgung im Sande. Am 25. Mai trat Wittgenstein den Oberbefehl über das verbündete Heer an Barclay de Tolly ab. Am 4. Juni nahm Napoleon den Waffenstillstand von Pläswitz an. Er sollte es bereuen: Die Waffenruhe nützte vor allem seinen Gegnern, die sich in dieser Zeit verstärkten, und im August trat Österreich gegen ihn in den Krieg ein. Auf dem Pariser Arc de Triomphe ist die Schlacht unter dem Namen Wurschen verzeichnet, nach dem Dorf, in dem die verbündeten Monarchen ihr Hauptquartier hatten.
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