Ursprünge und Gründung
Am 17. September 1803 wird innerhalb der Konsulargarde ein Marinebataillon geschaffen. Die ursprüngliche Absicht fügt sich in den Plan einer Landung in England: Elite-Matrosen zu haben, um Boote und Pontons unter den Augen der Macht zu manövrieren. Als die Garde 1804 kaiserlich wird, folgen die Matrosen.
Sehr rasch entfernt die operative Realität sie vom Meer. Mangels einer Invasion Englands werden die Matrosen der Garde als vielseitige Landtruppe eingesetzt — Brückenbau, Flussdienst, Infanteriekampf.
Ihre Identität bleibt durch Uniform und Bordgeist naval, durch den Einsatz terrestrisch. Diese Ambivalenz macht ihre Singularität im Organigramm der Garde aus.
Organisation und Bestände
Das Bataillon zählt je nach Periode von mehreren Hundert bis über tausend Mann (die Stände schwanken; oft werden Größenordnungen um achthundert bis fünfzehnhundert genannt). Es ist in Besatzungen eher als in Kompanien im strengen Infanteriesinne gegliedert, Erbe des maritimen Vokabulars.
Seeoffiziere — Kapitäne zur See oder Fregattenkapitäne wie Daugier, Baste und andere je nach Phase — befehligen den Korps. Auf dem Landkriegsschauplatz hängen sie operativ von den Chefs der Garde und dem kaiserlichen Stab ab.
Statutarisch gehören die Matrosen zur Kaiserlichen Garde; ihr feiner Platz in der Unterscheidung Alte/Mittlere/Junge Garde ist weniger scharf als bei der Fußinfanterie, doch ihr Prestige als Eliteeinheit ist unbestritten.
Uniform, Bewaffnung und Rekrutierung
Die marineblaue Uniform, Details maritimer Inspiration und der Bordsäbel bilden eine eigene Silhouette zwischen Bärenmützen und Tschakos. Im Feld tragen sie auch das Infanteriegewehr, wenn sie in Linie kämpfen.
Die Rekrutierung erfolgt unter Matrosen und Marinearbeitern, gewählt wegen Kraft und Disziplin. Der Eintritt in die Garde wertet einen oft rauen und schlecht bezahlten Beruf in den Arsenalen auf.
Ihre technischen Kompetenzen — Knoten, Boote, Bootsbrücken — bleiben kostbar, auch wenn die Grande Armée sich von den Küsten entfernt: Flussübergänge, Einrichtung von Fähren, Dienst der Besatzungen des kaiserlichen Haushalts.
Waffentaten
Im Lager von Boulogne üben sich die Matrosen der Garde in amphibischen Manövern und im Flottillendienst. Als die Grande Armée 1805 nach Österreich schwenkt, folgt ein Teil von ihnen den Landkolonnen.
1808 in Spanien wird ein starkes Kontingent von Matrosen der Garde in die Operationen des Südens verwickelt; viele geraten bei der Kapitulation von Bailén (19.-22. Juli 1808) in Gefangenschaft, ein harter Schlag für das französische Prestige und für die Einheit selbst. Kader und Bestände müssen neu gebildet werden.
Während der folgenden Feldzüge — Österreich, Russland, Deutschland — sichern die Matrosen weiter technische Missionen und gelegentliche Kämpfe. Ihre Rolle ist nicht die einer Infanteriedivision, sondern die eines vielseitigen Elitedetachements.
Unter den Hundert Tagen ist das Bataillon erneut präsent. Bei Waterloo zählen die Matrosen der Garde zu den Einheiten der kaiserlichen Reserve, die am 18. Juni 1815 eingesetzt werden.
Erbe und Erinnerung
Weniger berühmt als die Grenadiere, faszinieren die Matrosen der Garde gleichwohl die Uniformologen durch ihre Land-Meer-Hybridisierung. Bailén bleibt das gründende Drama ihrer dunklen Erinnerung; Waterloo der Endpunkt.
Sie erinnern daran, dass die Kaiserliche Garde nicht nur eine Vitrine von Infanterie und Kavallerie war: sie umfasste auch Spezialisten, Zeugen des zerbrochenen Seetraums von 1803-1805 und der erzwungenen Umstellung auf den Kontinentalkrieg.