Ursprünge und Gründung
Ab 1809 richtet Napoleon Regimenter von Tirailleurs und Voltigeuren der Garde ein, bald kollektiv als Junge Garde bezeichnet. Der Kontext ist der eines Dauerkriegs, der mehr Elitebataillone verlangt, ohne warten zu können, bis jeder Mann zehn Dienstjahre hat.
Die Junge Garde ist keine « schlechte » Garde: sie rekrutiert weiterhin nach Verdienst und Größe, doch ihre Kriterien sind gegenüber der Alten Garde gelockert. Sie wird das Reservoir, in dem das Kaiserreich rasch Einheiten von hohem moralischem Wert schmiedet.
Zwischen 1813 und 1814 explodiert unter dem Druck der Niederlagen und der Bedürfnisse der Wiederaufstellung die Zahl der Regimenter der Jungen Garde. Diese Expansion erklärt die sehr hohen Gesamtbestände, die in den letzten Jahren manchmal « der Garde » zugeschrieben werden.
Organisation und Bestände
Tirailleurs-Grenadiere, Tirailleurs-Jäger, Voltigeure-Grenadiere, Voltigeure-Jäger: die Nomenklatur schwankt je nach Dekreten, doch das Prinzip bleibt — zahlreiche Bataillone, in Regimentern organisiert, von Offizieren gerahmt, die oft aus der Alten oder der Mittleren Garde stammen.
Generäle wie Duhesme, Barrois oder Mortier erscheinen im operativen Kommando von Divisionen der Jungen Garde. Die Bestände, zuerst begrenzt 1809-1811, werden 1813 beträchtlich: mehrere Zehntausend Mann nach den Lageberichten.
In der Hierarchie steht die Junge Garde für das Prestige klar unter der Alten und der Mittleren Garde, trägt aber einen unverhältnismäßigen Anteil der Kämpfe der letzten Feldzüge.
Uniform, Bewaffnung und Rekrutierung
Die Uniformen der Jungen Garde nehmen die Codes der Garde auf und unterscheiden sich zugleich durch den Tschako, die Abzeichenfarben und Vereinfachungen der Massenproduktion. Die Bewaffnung bleibt das Infanteriegewehr; die Voltigeure pflegen zudem die Fertigkeiten des Tirailleurs.
Die Rekrutierung richtet sich an vielversprechende junge Soldaten, oft aus den jüngsten Jahrgängen, ausgewählt in den Depots und den Linienregimentern. Der Eintritt in die Junge Garde bleibt eine Ehre, auch wenn die Grognards manchmal auf sie herabblicken.
Die Ausbildung, 1813-1814 beschleunigt, kann die der alten Regimenter nicht erreichen. Der Zusammenhalt beruht stärker auf dem Kader und dem Schwung als auf der kumulierten individuellen Erfahrung.
Waffentaten
Schon 1809-1812 erscheinen Elemente der Jungen Garde in den Feldzügen in Österreich und Russland. Doch vor allem ab 1813 — Lützen, Bautzen, Dresden, Leipzig — werden diese Regimenter zur täglichen Stoßinfanterie Napoleons.
1814, auf französischem Boden, reiht die Junge Garde Gewaltmärsche und Defensivkämpfe aneinander. Bulletins und Memoiren betonen ihre Kampflust trotz Ermüdung und schmelzender Bestände.
Bei Waterloo zeichnet sich die Division der Jungen Garde von Duhesme namentlich in den Kämpfen von Plancenoit gegen die Preußen aus. Während die Mittlere Garde gegen das britische Zentrum vorrückt, versucht die Junge Garde, das Eintreffen Blüchers auf dem französischen rechten Flügel aufzuhalten.
Das Gesamtscheitern der Schlacht darf diese Rolle nicht verdecken: ohne die Junge Garde bei Plancenoit wäre der Zusammenbruch vielleicht noch schneller gekommen.
Erbe und Erinnerung
Lange vom Mythos der Alten Garde verdunkelt, hat die Junge Garde in der zeitgenössischen Historiographie ihren Platz als Schlüssel zum Verständnis der Jahre 1813-1815 wiedergefunden.
Sie verkörpert den finalen Widerspruch des Systems: eine Elite, so weit ausgeweitet, dass sie beinahe eine Armee in der Armee wird, noch zu großen Taten fähig, unfähig, allein die strategische Abnutzung des Kaiserreichs auszugleichen.