Geburt und Kommando
Als die Grande Armée 1805 das Lager von Boulogne verlässt, erhält Jean-Baptiste Bernadotte das I. Korps. Marschall seit 1804, Schwager Joseph Bonapartes durch seine Ehe mit Désirée Clary, verfügt er über politisches wie militärisches Prestige.
Das I. Korps umfasst mehrere Infanteriedivisionen, leichte Kavallerie und Artillerie. Seine Rolle im Plan von 1805 ist die einer Hauptkolonne auf der Manöverachse zur Donau.
Bernadotte ist weder Soult noch Davout: sein Stil ist politischer, im Feld manchmal als weniger scharf beurteilt. Die Feldzüge 1805-1806 stellen diesen Ruf auf die Probe.
Organisation und Divisionen
Die Architektur des I. Korps folgt dem napoleonischen Modell: autonome Infanteriedivisionen, Divisionsartillerie, Deckungskavallerie. Die Bestände schwanken je nach Feldzugsabschnitt um zwanzigtausend Mann und mehr.
Innerhalb der Grande Armée von 1805 marschiert das I. Korps im Gesamtaufgebot, das Mack bei Ulm einschließt, bevor es nach Mähren schwenkt.
Die Stäbe halten fest, dass die Korpsnummern nicht verwechselt werden dürfen: bei Austerlitz führt den Stoß auf dem Pratzen Soult's IV. Korps, nicht das I.
Große Feldzüge
Während des Ulmer Feldzugs (Herbst 1805) trägt das I. Korps zum Umfassungsmanöver bei, das General Mack zur Kapitulation zwingt. Der strategische Sieg öffnet den Weg nach Wien und dann nach Mähren.
Bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 befehligt Bernadotte das I. Korps. Nach dem Angriff des IV. Korps Soult auf das Plateau von Pratzen stützt und festigt das I. Korps die Besetzung der Höhen. Es führt nicht den ersten Stoß auf dem Pratzen, nimmt aber an der Bindung und Ausnutzung des Erfolgs teil.
Im Oktober 1806, während der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt, befinden sich Bernadotte und das I. Korps zwischen den beiden Schlachtfeldern. Davout stellt sich bei Auerstedt allein dem Großteil der preußischen Armee; Napoleon zerschlägt eine andere Fraktion bei Jena. Bernadotte greift nicht rechtzeitig ein, um Davout zu stützen.
Die Kontroverse ist sofort und dauerhaft: Napoleon wirft Bernadotte Langsamkeit, ja bösen Willen vor. Historiker debattieren noch über empfangene Befehle, Entfernungen und Verantwortlichkeiten. Die Tatsache bleibt: das I. Korps bringt bei Auerstedt nicht die erwartete Unterstützung.
Operative Rolle
Das I. Korps von 1805-1806 veranschaulicht Stärke und Fragilität des Korpssystems: fähig, in einem Gesamtplan schnell zu marschieren, abhängig von der Initiative seines Chefs, wenn zwischen zwei Schlachtfeldern improvisiert werden muss.
Bei Austerlitz dient das Korps Napoleons Plan, indem es das Zentrum nach Soults Stoß festigt. Bei Jena-Auerstedt trübt das ausbleibende Unterstützung Davouts Bernadottes Bild in den Augen des Kaisers dauerhaft.
Später verlässt Bernadotte den französischen Dienst für den schwedischen Thron; die Erinnerung an 1806 bleibt eine offene Akte zwischen dem Ruhm von Austerlitz und dem Schatten von Auerstedt.
Erinnerung und Bilanz
Das I. Korps unter Bernadotte ist nicht das « Pratzen-Korps » — dieser Ruhm gebührt Soult —, aber es ist sehr wohl das bei Austerlitz präsente und im Feldzug 1805 eingesetzte I. Korps.
Seine Nachwelt ist doppelt: Beitrag zum Sieg der Drei Kaiser, und die Kontroversen von 1806, die noch Biographien und historische Polemiken nähren.