Ursprünge und Gründung
Erbin der Artillerie der Konsulargarde, formiert sich die Fußartillerie der Kaiserlichen Garde nach dem 18. Mai 1804. Napoleon, selbst als Artillerist ausgebildet, schenkt dieser Waffe besondere Aufmerksamkeit.
Kompanien der Garde-Fußartillerie treten nach und nach zur kaiserlichen Reserve hinzu. Sie begleiten die großen Feldzüge und bilden mit der berittenen Gardeartillerie den Elitepark der Grande Armée.
Das Prinzip ist klar: gut bediente Geschütze zu konzentrieren, auf Schlachtebene beweglich, verfügbar, um einen Durchbruch vorzubereiten oder einen Gegenangriff zu zerschlagen.
Organisation und Bestände
Die Fußartillerie der Garde organisiert sich in Kompanien, mit einem Park reglementärer französischer Kaliber — namentlich 12-Pfünder-Kanonen und Haubitzen je nach Periode und Bedarf.
Die Bestände an Bedienung und Train schwanken je nach Feldzug. Die Qualität von Rekrutierung und Ausbildung unterscheidet diese Artillerie von der der Linie: Feuertreue, Schnelligkeit der Batteriestellung, Disziplin unter Feuer.
Napoleon entscheidet oft selbst über Moment und Ort der Konzentration der Gardefeuer. Die Fußartillerie wird dann zum Instrument eines Schlachtplans mehr als lokaler taktischer Autonomie.
Uniform, Bewaffnung und Rekrutierung
Die Uniform der Gardeartillerie — dunkelblauer Rock, waffeneigene Abzeichen — signalisiert die Zugehörigkeit zur Elite. Die Bedienungen tragen die für den Geschützdienst und den Nahkampf nötige Ausrüstung, falls die Batterie bedroht ist.
Die Rekrutierung bevorzugt Männer guter Konstitution, vertraut mit dem Artilleristenhandwerk. Die Beförderung zur Gardeartillerie ist eine Belohnung für erfahrene Kader und Bedienungen der Linie.
Die Ausbildung besteht auf Feuergeschwindigkeit, Einschießen und Verlegung der Geschütze. Unter Feuer muss die Gardebatterie ein zuverlässiges Instrument in den Händen des Kaisers bleiben.
Waffentaten
Bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 nimmt die Gardeartillerie an der zentralen Reserve und an den Feuerkonzentrationen teil, die das entscheidende Manöver begleiten. Sie ist nicht allein, doch ihre Gegenwart verstärkt das Gewicht der kaiserlichen Reserve.
Bei Wagram (5.-6. Juli 1809) spielt die Artillerie eine große Rolle bei der Vorbereitung der Angriffe nach Essling. Die großen französischen Batterien, darunter Gardegeschütze, hämmern die österreichischen Stellungen.
An der Moskwa am 7. September 1812 liefert die französische Artillerie — einschließlich der Garde — ein mörderisches Duell gegen die Russen. Napoleon schont noch seine Infanteriereserve, doch das Artilleriefeuer bleibt massiv eingesetzt.
Bei Waterloo am 18. Juni 1815 stützt die Gardeartillerie die französischen Angriffe und die große Zentralbatterie. Trotz der Qualität des Dienstes genügt sie nicht, die alliierte Aufstellung vor dem Eintreffen der Preußen zu brechen.
Erbe und Erinnerung
Die Fußartillerie der Garde verkörpert die innige Verbindung zwischen Napoleon und seiner Ursprungswaffe. Im militärischen Gedächtnis symbolisiert sie die wissenschaftliche Feuerkonzentration im Dienst eines Schlachtplans.
Nach 1815 verschwindet die Institution mit der Garde. In der Historiographie bleibt das Bild einer Elite-Feuerreserve, eines ebenso politischen wie taktischen Instruments der kaiserlichen Macht.