Im Oktober 1805 überschritt die in Eilmärschen aus dem Lager von Boulogne herangeführte Grande Armée die Donau im Rücken des österreichischen Heeres unter General Mack und schloss es in Ulm ein. Nach einer Reihe von Gefechten, darunter Elchingen, kapitulierte Mack am 20. Oktober mit rund 25 000 Mann: ein Sieg fast ohne Schlacht, der Napoleon den Weg nach Wien und Austerlitz öffnete.
Kräfte im Feld
Ergebnis: Entscheidender französischer Sieg
Frankreich
- Napoléon
- Ney
- Murat
- Lannes
- Soult
Etwa 80 000 Mann um Ulm
Verluste: Etwa 500 Tote und 1000 Verwundete
Österreich
- Mack
- Werneck
- Riesch
Etwa 72 000 Mann zu Beginn des Feldzugs
Verluste: Etwa 25 000 Gefangene bei Ulm; rund 60 000 Mann Verlust im ganzen Feldzug
Koordinaten der Schlacht
Ulm
Koordinaten 48,3986° N · 9,9911° E
Schlachtbericht
Die Dritte Koalition
1805 verbündeten sich Großbritannien, Österreich, Russland und Schweden gegen Frankreich: die Dritte Koalition. Die Österreicher erwarteten den Hauptkrieg in Oberitalien; in Deutschland wollten sie nur die Alpen halten und auf die Russen warten. Als sich jedoch Bayern auf die Seite Frankreichs stellte, marschierte ein österreichisches Heer von etwa 72 000 Mann unter General Mack vorzeitig in das Land ein, während die ersten russischen Truppen noch durch Polen zogen.
Lange erzählte man, dieser zeitliche Versatz sei einer Verwechslung der Kalender geschuldet, da die Russen noch den julianischen, die Österreicher den gregorianischen Kalender benutzten. Der Historiker Frederick Kagan hält diese Erklärung für einen „bizarren Mythos“.
Von Boulogne an die Donau
Die Grande Armée lag damals im Lager von Boulogne, England gegenüber. Ende August setzte sie sich nach Osten in Marsch; am 24. September standen ihre Korps bereit, den Rhein zwischen Mannheim und Straßburg zu überschreiten. Während Murats Kavallerie im Schwarzwald Scheinbewegungen ausführte, um Mack glauben zu machen, der Angriff komme von Westen, vollzog das Gros der Armee über den Norden eine gewaltige Rechtsschwenkung: Seine Korps erreichten die Donau gemeinsam, nach Süden gewandt, und überschritten sie bei Neuburg, Donauwörth und Ingolstadt, im Rücken des österreichischen Heeres.
Mack in der Falle
Mack durchschaute das Manöver erst am 7. Oktober. Er versuchte, Front zu machen, doch die Gefechte liefen gegen ihn. Am 8. Oktober wurde bei Wertingen die Division Auffenberg von Murats Kavallerie und Lannes' Korps zerschlagen. Am 9. schlug bei Günzburg eine Division aus Neys Korps die Österreicher und fasste am Südufer der Donau Fuß. Am 11. versperrte die Division Dupont bei Haslach-Jungingen dem österreichischen Heer den Weg nach Norden. Unterdessen breiteten sich die Korps Soults, Bernadottes, Davouts und Marmonts im Osten und Süden zu einem weiten Netz aus; in Memmingen erreichte Soult die Kapitulation von 4600 Österreichern.
Elchingen und der Michelsberg
Am 14. Oktober zerschlug Ney bei Elchingen das Korps Riesch und warf dessen Reste nach Ulm zurück; später wurde er zum Herzog von Elchingen erhoben. Murat nahm die Verfolgung des Korps Werneck auf, das nach Nordosten zu entkommen versucht hatte: Es wurde eingeholt und kapitulierte am 18. Oktober; nur Erzherzog Ferdinand und etwa 1200 Reiter erreichten Böhmen. Am 15. Oktober nahmen Neys Truppen die befestigten Höhen des Michelsbergs, die die Stadt beherrschen. Am 16. war Ulm, wo Mack mit dem Rest seines Heeres eingeschlossen war, vollständig umzingelt und wurde beschossen.
Die Kapitulation
Napoleon verzichtete auf einen verlustreichen Sturm: Die Festung würde von selbst fallen. Am 17. Oktober unterzeichnete sein Abgesandter Ségur mit Mack eine Konvention: Die Österreicher würden sich am 25. Oktober ergeben, falls bis dahin kein Entsatz eintraf. Doch Mack erfuhr von der Kapitulation seiner übrigen Korps und willigte ein, sich fünf Tage früher zu ergeben. Am 20. Oktober (nach manchen Quellen am 21.) zog das österreichische Heer aus Ulm aus und defilierte stundenlang vor dem Kaiser und der im Halbkreis aufgestellten Grande Armée; die Soldaten streckten die Waffen. Die Offiziere wurden auf Ehrenwort freigelassen und verpflichteten sich, bis zu ihrem Austausch nicht mehr gegen Frankreich zu kämpfen. Mack soll sich Napoleon als „der unglückliche General Mack“ vorgestellt haben.
Bilanz
Etwa 25 000 Mann, darunter 18 Generale, ergaben sich bei Ulm, mit 60 bis 65 Geschützen und rund vierzig Fahnen. Die Franzosen hatten etwa 500 Tote und 1000 Verwundete verloren. Rechnet man die vorangegangenen Gefechte und Kapitulationen hinzu, hatte der Feldzug in etwa vierzehn Tagen rund 60 000 Österreicher außer Gefecht gesetzt. In seinem Bulletin vom 21. Oktober wandte sich Napoleon an seine Soldaten: „Ich hatte euch eine große Schlacht angekündigt. Doch dank der schlechten Pläne des Feindes konnte ich dieselben Erfolge erzielen, ohne ein Risiko einzugehen.“ Mack wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Ein Sieg ohne Schlacht
Ulm beendete den Krieg nicht. Am 21. Oktober vernichtete Nelson vor Kap Trafalgar die französisch-spanische Flotte, und Kutusows russisches Heer rückte heran. Doch der Weg nach Wien war frei: Napoleon zog Mitte November dort ein, verfolgte dann Russen und Österreicher bis nach Mähren und siegte am 2. Dezember bei Austerlitz. Durch das Manöver mehr als durch den Kampf errungen, ist Ulm wie Austerlitz ein an Militärakademien studiertes Musterbeispiel geblieben: eine strategische Umfassung, so vollständig, dass der Ausgang auf dem Schlachtfeld kaum umkämpft war.
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