Vom 15. bis 17. November 1796 versuchte Bonaparte in den Sümpfen der Etsch, die österreichische Armee Alvinczys zu umgehen, die Verona bedrohte. Drei Tage erbitterter Kämpfe auf schmalen Dämmen rund um die Brücke von Arcole zwangen die Österreicher schließlich zum Rückzug; das Bild Bonapartes mit der Fahne auf dem Damm ging sofort in die Legende ein.
Kräfte im Feld
Ergebnis: Französischer Sieg
Französische Republik
- Bonaparte
- Augereau
- Masséna
Je nach Quelle 18 000 bis 19 000 Mann
Verluste: Etwa 3500 Tote und Verwundete sowie 1300 Gefangene oder Vermisste
Österreich
- Alvinczy
- Mittrowsky
- Provera
Je nach Quelle 23 000 bis 24 000 Mann
Verluste: Etwa 2200 Tote und Verwundete, 4000 Gefangene und 11 Geschütze
Koordinaten der Schlacht
Brücke von Arcole
Koordinaten 45,3600° N · 11,2900° E
Schlachtbericht
Der dritte Entsatzversuch für Mantua
Im Herbst 1796 wurde Mantua noch immer von der Italienarmee belagert. Feldmarschall Wurmser, im September bei Bassano geschlagen, hatte sich mit seinen Truppen dort eingeschlossen; Hunger und Krankheit dezimierten die Besatzung. Um ihn zu entsetzen, übertrug Kaiser Franz II. eine neue Armee dem Feldzeugmeister Alvinczy, der einen Angriff in zwei Stoßrichtungen plante: Er selbst sollte mit dem Korps Quosdanovich, etwa 26 000 Mann, aus dem Friaul auf Verona vorrücken, während Davidovich mit rund 19 500 Mann aus Tirol durch das Etschtal herabstieg. Vereinigten sich beide Kolonnen und brach Wurmser aus Mantua aus, würde die Lage der Franzosen unhaltbar.
Der Feldzug begann für Bonaparte schlecht. Am 6. November gelang es ihm nicht, bei Bassano den Übergang über die Brenta zu erzwingen. Im Norden schlug Davidovich Vaubois bei Calliano und drängte ihn auf Rivoli zurück. Am 12. November schließlich scheiterten Masséna und Augereau bei Schneeregen vor den Höhen von Caldiero, dicht vor Verona. Die Österreicher standen fast vor den Toren der Stadt.
Das Manöver von Ronco
Bonaparte verfügte nur noch über etwa 18 000 Mann gegen die rund 23 000 Alvinczys: 3000 Mann ließ er in Verona, Vaubois hielt Davidovich mit etwa 8000 Mann auf, und die Blockade Mantuas band mehr als 6000. Statt eine dritte Frontalschlacht zu liefern, beschloss er, den Feind zu umgehen. In Eilmärschen zogen Masséna und Augereau die Etsch hinab bis Ronco, in den Rücken der österreichischen linken Flanke. Von dort aus konnte die Armee nach Norden vorstoßen, Alvinczy den Rückzug abschneiden und seine Trosse und seinen Artilleriepark nehmen.
Jenseits des Flusses lag unwegsamer Sumpf. Bewegen konnte man sich nur auf den Dämmen der Etsch und denen des Alpone, eines kleinen, etwa zwanzig Meter breiten Nebenflusses. Von Ronco aus folgte ein Weg rund 2,5 Kilometer weit dem Damm bis zu einer Brücke; das Dorf Arcole lag am anderen Ufer. Ein weiterer Damm führte nach Nordwesten auf Belfiore und Caldiero. Auf diesen schmalen Dämmen zählte die zahlenmäßige Überlegenheit der Österreicher kaum; doch eine Kolonne, die sich darauf wagte, konnte sich nicht entfalten.
15. November: die Brücke und die Fahne
Bei Tagesanbruch hatten die Pioniere des Brigadechefs Andréossy bei Ronco eine Pontonbrücke geschlagen. Augereau setzte als Erster über und marschierte auf Arcole; Masséna folgte und nahm den Damm nach Belfiore, um die linke Flanke zu decken. Arcole hielten nur zwei Bataillone und zwei Geschütze des Obersten Brigido, doch ihr Feuer warf die Spitzenhalbbrigade des Generals Bon zurück, und die Franzosen mussten hinter dem Damm Deckung suchen. Augereau setzte eine Brigade nach der anderen ein; gegen Mittag trafen österreichische Verstärkungen unter Mittrowsky ein. Die Generale Bon, Verdier, Verne und Lannes wurden verwundet, und der Angriff blieb stecken. Auf dem anderen Damm schlug Masséna die Brigaden zurück, die die Pontonbrücke nehmen sollten.
Hierher gehört die berühmteste Episode der Schlacht. Augereau soll bereits eine Fahne ergriffen haben, ohne seine Soldaten mitreißen zu können. Bonaparte nahm seinerseits eine und trat ungedeckt auf den Damm, etwa fünfzig Schritt vor der Brücke. „Die Soldaten sehen ihn, und keiner von ihnen folgt ihm“, schrieb sein Adjutant Sułkowski. Mehrere Offiziere seines Stabes wurden getroffen; sein Adjutant Muiron fiel an seiner Seite. Im Durcheinander wurde Bonaparte aus der Feuerlinie gezogen und stürzte in einen schlammigen Graben, aus dem man ihn herausholte. Die Brücke hatte er nicht überschritten.
Am Abend vertrieb die Brigade Guieu, die flussabwärts bei Albaredo in Booten übergesetzt hatte, die Österreicher schließlich aus Arcole. Doch um Mitternacht ließ Bonaparte, aus Furcht, Davidovich könne ihm in den Rücken fallen, das Dorf räumen und führte den größten Teil seiner Truppen auf das rechte Etschufer zurück; nur eine Besatzung blieb zur Sicherung des Brückenkopfs.
16. November: Stillstand
Am zweiten Tag ging Alvinczy zum Angriff über: Provera rückte von Belfiore vor, und Mittrowsky, auf vierzehn Bataillone verstärkt, stieß von Arcole auf den Brückenkopf herab. Masséna schlug Provera; der österreichische General Brabeck fiel, und seine Truppen wurden unter Verlust von fünf Geschützen nach Belfiore zurückgeworfen. Augereau und Mittrowsky rangen den ganzen Vormittag um den Damm, dann zogen sich die Österreicher nach Arcole zurück, wo Mittrowsky seine Bataillone auf beiden Dämmen und im Dorf aufgestellt hatte. Alle französischen Angriffe des Tages scheiterten, ebenso die Übergangsversuche bei Albaredo und an der Mündung des Alpone. Der Überlieferung nach sprang an diesem Tag der junge Trommler André Estienne mit dem Unterleutnant Ramaud unter Beschuss ins Wasser; das brachte ihm den Ruhm des „Trommlers von Arcole“ ein.
17. November: Arcole genommen
In der Nacht schlugen die französischen Pontoniere nahe der Mündung eine Brücke über den Alpone. Am Morgen setzte Augereau auf das linke Ufer über und kämpfte sich den östlichen Damm hinauf, während die Brigade Robert von der Division Masséna auf dem westlichen Damm angriff. Am frühen Nachmittag schlug Masséna Provera vor Belfiore erneut. Doch gegen 15 Uhr brach eine starke österreichische Kolonne aus Arcole hervor und warf Roberts Truppen zurück; als Augereaus Männer das sahen, wichen auch sie und gingen gegen 16 Uhr wieder über den Alpone zurück.
Der Tag schien verloren, als Masséna mit Verstärkungen vom linken Flügel zurückkehrte: Er überraschte die Österreicher auf dem westlichen Damm und warf sie auf Arcole zurück. Augereau ging erneut über den Alpone, und gegen 17 Uhr war das Dorf endlich genommen. Zur gleichen Zeit sollen, den Berichten zufolge, ein Leutnant und fünfundzwanzig Guiden, die in den österreichischen Rücken gelangt waren, mehrere Trompeten geblasen haben, um das Anrücken einer starken Truppe vorzutäuschen. Alvinczy setzte die Brigade Schübirz ein, um den französischen Vorstoß zur Hauptstraße aufzuhalten und Provera den Abzug nach Osten zu ermöglichen.
Bilanz
Die Franzosen verloren etwa 3500 Tote und Verwundete sowie 1300 Gefangene oder Vermisste. Die Österreicher hatten nur rund 2200 Tote und Verwundete, ließen aber 4000 Gefangene und elf Geschütze zurück. General Robert wurde tödlich verwundet. Arcole beendete den Feldzug nicht: Am 17. November schlug Davidovich Vaubois vor Rivoli in die Flucht. Von Alvinczy vorerst befreit, wandte sich Bonaparte gegen Davidovich und drängte ihn das Etschtal hinauf zurück. Alvinczy, der wieder bis Caldiero vorgerückt war, erfuhr von dieser Niederlage und trat am 23. November seinerseits den Rückzug an. Am selben Tag unternahm Wurmser einen Ausfall aus Mantua, zu spät. Der dritte Entsatzversuch war gescheitert, nur knapp.
In seinem Bericht an das Direktorium fasste Bonaparte den ersten Tag zusammen: „Vergeblich warfen sich die Generale, die ganze Bedeutung der Zeit erkennend, an die Spitze, um unsere Kolonnen über die kleine Brücke von Arcole zu zwingen: Zu viel Mut schadete: Fast alle wurden verwundet.“
Geburt einer Legende
Die Fahne und der Damm von Arcole wurden sehr schnell zum Bild. Antoine-Jean Gros, damals in Italien, erhielt in Mailand, angeblich dank Joséphine, einige Sitzungen und malte schon 1796 Bonaparte mit der Fahne in der Hand; das Gemälde, im Salon von 1801 ausgestellt, wurde durch Stiche weit verbreitet. Die Fahne selbst, an das Direktorium geschickt, soll Bonaparte 1798 vom Corps législatif überreicht worden sein, und Bonaparte soll sie Lannes geschenkt haben. 1799 kehrte er an Bord der Fregatte Muiron aus Ägypten zurück, die nach dem an seiner Seite gefallenen Adjutanten benannt war. Arcole gilt oft als der Beginn der napoleonischen Legende.
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