Kaiserliche Garde

Tirailleurs der Garde

Junge Garde

1809-1815

Ab 1809 geschaffen, erweitern die Tirailleurs der Jungen Garde die Eliteinfanterie massiv. Weniger selektiv als die Alte Garde, tragen sie von 1812 bis 1815 — von der Moskwa bis Waterloo — einen unverhältnismäßigen Anteil der Kämpfe.

Ursprünge und Gründung

Ab 1809 richtet Napoleon Regimenter von Tirailleurs der Garde ein, bald unter dem Namen Junge Garde zusammengefasst. Der Dauerkrieg verlangt mehr Elitebataillone, ohne warten zu können, bis jeder Mann zehn Dienstjahre hat.

Die Junge Garde ist keine « schlechte » Garde: sie rekrutiert weiterhin nach Verdienst und Größe, doch ihre Kriterien sind gegenüber der Alten Garde gelockert. Sie wird das Reservoir, in dem das Kaiserreich rasch Einheiten von hohem moralischem Wert schmiedet.

Zwischen 1813 und 1814 explodiert unter dem Druck der Niederlagen die Zahl der Tirailleurregimenter. Diese Expansion erklärt die sehr hohen Gesamtbestände, die in den letzten Jahren des Kaiserreichs manchmal « der Garde » zugeschrieben werden.

Organisation und Bestände

Tirailleurs-Grenadiere und Tirailleurs-Jäger: die Nomenklatur schwankt je nach Dekreten, doch das Prinzip bleibt — zahlreiche Bataillone, in Regimentern organisiert, von Offizieren gerahmt, die oft aus der Alten oder Mittleren Garde stammen.

Marschall Mortier erscheint mehrfach im operativen Kommando von Formationen der Jungen Garde. Die Bestände, zuerst begrenzt 1809-1811, werden 1813 beträchtlich.

In der Hierarchie stehen die Tirailleurs für das Prestige unter der Alten und der Mittleren Garde, tragen aber einen unverhältnismäßigen Anteil der Kämpfe der letzten Feldzüge.

Uniform, Bewaffnung und Rekrutierung

Die Uniformen der Tirailleurs nehmen die Codes der Garde auf und unterscheiden sich durch Tschako, Abzeichenfarben und Vereinfachungen der Massenproduktion. Die Bewaffnung bleibt das Infanteriegewehr.

Die Rekrutierung richtet sich an vielversprechende junge Soldaten, oft aus den jüngsten Jahrgängen, ausgewählt in Depots und Linienregimentern. Der Eintritt in die Junge Garde bleibt eine Ehre, auch wenn die Grognards manchmal auf sie herabblicken.

Die Ausbildung, 1813-1814 beschleunigt, kann die der alten Regimenter nicht erreichen. Der Zusammenhalt beruht stärker auf Kader und Schwung als auf kumulierter individueller Erfahrung.

Waffentaten

Schon 1809-1812 erscheinen Elemente von Tirailleurs der Jungen Garde in den Feldzügen in Österreich und Russland. An der Moskwa gehört die Junge Garde zum Reserveaufgebot und zu den um den Kaiser verfügbaren Kräften.

Vor allem ab 1813 — Lützen, Bautzen, Dresden, Leipzig — werden diese Regimenter zur täglichen Stoßinfanterie Napoleons. 1814, auf französischem Boden, reihen sie Gewaltmärsche und Defensivkämpfe aneinander.

Bei Waterloo am 18. Juni 1815 zeichnet sich die Division der Jungen Garde — darunter Tirailleurs — namentlich in den Kämpfen von Plancenoit gegen die Preußen aus, während die Mittlere Garde gegen das britische Zentrum vorrückt.

Das Gesamtscheitern der Schlacht darf diese Rolle nicht verdecken: ohne die Junge Garde bei Plancenoit wäre der Zusammenbruch vielleicht noch schneller gekommen.

Erbe und Erinnerung

Lange vom Mythos der Alten Garde verdunkelt, haben die Tirailleurs der Jungen Garde in der zeitgenössischen Historiographie ihren Platz als Schlüssel zum Verständnis der Jahre 1813-1815 wiedergefunden.

Sie verkörpern den finalen Widerspruch des Systems: eine Elite, so weit ausgeweitet, dass sie beinahe eine Armee in der Armee wird, noch zu großen Taten fähig, unfähig, allein die strategische Abnutzung des Kaiserreichs auszugleichen.

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