Die Wahl der Erzherzogin
Nach der Scheidung brauchte es eine Gemahlin, die zugleich einen Erben und ein Bündnis geben konnte. Im Rat vom Januar 1810 wurden zwei Partien geprüft: Großfürstin Anna, Schwester Alexanders I., und Erzherzogin Marie Louise, Tochter Franz' I. Sankt Petersburg zögerte die Antwort hinaus; Metternich ergriff die Gelegenheit, das besiegte Österreich zu verankern. Der Vertrag wurde im Februar unterzeichnet, die Ferntrauung am 11. März in Wien vollzogen, wobei Erzherzog Karl den Bräutigam vertrat.
Compiègne, Saint-Cloud, der Louvre
Napoleon hielt das Empfangsprotokoll nicht ein: er fing den Zug im Regen bei Courcelles nahe Compiègne ab und wartete die Zeremonie nicht ab. Die standesamtliche Trauung fand am 1. April in Saint-Cloud statt, die kirchliche am folgenden Tag im zur Kapelle umgestalteten Salon Carré des Louvre, nach einem Zug durch die Tuilerien.
Dreizehn Kardinäle blieben fern, da sie die Annullierung der Ehe mit Joséphine für ungültig hielten: ihnen wurden die Insignien entzogen — daher der Name „schwarze Kardinäle“ — und sie wurden in die Provinz verbannt.
Ein Bündnis, das nicht hielt
Die Heirat gab dem Kaiserreich, was die Krönung nicht vermocht hatte: den Eintritt in die Familie der alten Dynastien. Napoleon glaubte daran — er sprach von „einem Schoß“ und wusste sich zum angeheirateten Neffen Marie-Antoinettes geworden.
Doch die revolutionäre Öffentlichkeit sah eine Verleugnung, Russland einen Bruch und Österreich bloß eine Atempause. 1813 erklärte Franz I. seinem Schwiegersohn den Krieg; 1814 folgte Marie Louise, in Wien zurückgehalten, ihm nie nach Elba.
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