Napoleon quartierte sich zweimal im Sommerschloss der Habsburger ein, 1805 und 1809. Dort unterzeichnete er den Vertrag, der Österreich demütigte — und dort starb sein Sohn, der Herzog von Reichstadt, mit einundzwanzig Jahren.
Historischer Kontext
Kein Zeichen war beredter: Der Sieger wohnte nicht in der Hofburg im Zentrum Wiens, sondern in Schönbrunn, im Landhaus der Habsburger, unter den von Maria Theresia bestellten Fresken. Im November 1805 wie im Mai 1809 arbeitete Napoleon in den Appartements der österreichischen Kaiserfamilie und datierte von dort seine Dekrete. Es war eine Art zu sagen: Man besucht einen Gegner nicht, man zieht bei ihm ein.
Am 12. Oktober 1809 näherte sich bei einer Parade im Ehrenhof ein achtzehnjähriger Sachse namens Friedrich Staps mit einer Bittschrift und einem Küchenmesser unter dem Mantel. Verhaftet und von Napoleon selbst in Gegenwart Rapps verhört, lehnte er die Begnadigung ab und erklärte, er würde es wieder tun. Fünf Tage später wurde er erschossen. Der Vorfall traf den Kaiser tief: Der deutsche Hass war keine Kabinettssache mehr, er hatte nun das Gesicht eines Zwanzigjährigen.
Zwei Tage danach, am 14. Oktober 1809, wurde im Schloss der Vertrag von Schönbrunn unterzeichnet. Österreich trat Kärnten, Krain, Triest, Salzburg und Westgalizien ab: dreieinhalb Millionen Untertanen verloren, der Zugang zum Meer abgeschnitten, eine erdrückende Entschädigung. Es war der härteste Wien auferlegte Friede — und doch heiratete Napoleon sechs Monate später die Tochter des Besiegten.
Die Ironie schloss sich eine Generation später. Napoleon II., Herzog von Reichstadt, in Schönbrunn als österreichischer Erzherzog erzogen, starb dort am 22. Juli 1832 mit einundzwanzig Jahren an Tuberkulose, in eben dem Zimmer, in dem sein Vater sein Arbeitskabinett eingerichtet hatte. Das Schloss bewahrt die Spur zweier Herrschaften, die einander auslöschten.
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