Ursprünge und Gründung
Als die Grande Armée im Juni 1812 den Njemen überschritt, wurde sie von einem Teil der litauischen Bevölkerung begeistert empfangen, der im Kaiser einen möglichen Garanten seiner Zukunft gegenüber Russland sah. Napoleon wollte diesen Moment nutzen: In den ehemaligen Gebieten des Großfürstentums Litauen wurden mehrere Truppenkörper aufgestellt, und einer von ihnen gelangte in die Garde.
Am 5. Juli 1812 schuf ein Dekret ein drittes Lanzenreiterregiment der Kaiserlichen Garde in der Tradition der polnischen Chevaulegers. Das Kommando fiel noch am selben Tag an Brigadegeneral Jan Konopka, bis dahin Major des 1. polnischen Lanzenreiterregiments der Garde. Zwei Stabsoffiziere, Kazimierz Tański und Józef Chłusowicz, unterstützten ihn ab dem 1. und 3. August.
Die Einheit hatte keine Zeit, Wurzeln zu schlagen. Sie entstand im Feld, im Rhythmus der Ereignisse in Russland, und ihr kurzes Dasein hing ganz an diesem ersten Kriegsjahr.
Organisation und Bestände
Auf dem Papier zählte das Regiment 1 280 Mann, nämlich 62 Offiziere und 1 218 Reiter in fünf Eskadrons zu je zwei Kompanien. Tatsächlich wurden nur vier Eskadrons aufgestellt, zwei in Warschau und zwei in Grodno.
Die Rekrutierung sollte aristokratisch sein. Die Freiwilligen mussten sich auf eigene Kosten ausrüsten, Uniform und Pferd eingeschlossen, und das Dekret legte die Größe der Pferde auf vier Fuß sechs bis vier Fuß neun Zoll fest. Der Sold entsprach dem des 2. Lanzenreiterregiments der Garde. Napoleon verfolgte die Sache genau: Am 29. September 1812 schrieb er an Maret, der Oberst habe sich offenbar 1 200 Pferde beschafft, und ließ ihn anweisen, fünfhundert davon in Marsch zu setzen, sobald sie verfügbar seien. Nach den Quellen erhielt das Regiment vermutlich nie einen Adler.
Während des Feldzugs war es dem 7. Korps zugeteilt, dem sächsischen Korps der Grande Armée, das auf der Südflanke des Aufmarsches operierte.
Uniform, Bewaffnung und Rekrutierung
Die Freiwilligen stammten aus grundbesitzenden Familien und waren zwischen achtzehn und vierzig Jahre alt. Guy Dempsey merkt an, dass polnische Grundbesitzer und deren Söhne aufgenommen wurden, ohne dass litauische Herkunft verlangt war; viele Rekruten waren Studenten der Universität Wilna, die ihre Verbundenheit mit dem Kaiser zeigen wollten.
In einem Land im Krieg ließ sich kein Bekleidungsmagazin einrichten. Leutnant Cichocki, der für die Ausstattung zuständig war, verhandelte unterwegs mit den Einwohnern der durchquerten Dörfer. Die Tracht folgte der des 1. polnischen Lanzenreiterregiments: karmesinrote Tschapka mit Kupferplatte und weißem Federbusch, blaue Kurtka mit karmesinroten Aufschlägen, im Detail unterschieden durch messingfarbene oder vergoldete Knöpfe und gelbe oder goldene Vorstöße. Der Historiker Alain Pigeard sieht darin wohl das schönste aller in Litauen aufgestellten Regimenter, gut beritten und mit großem Aufwand gekleidet.
Dieser Glanz gehörte zur Identität des Korps: Er sprach ebenso vom gesellschaftlichen Rang seiner Reiter wie von ihrem Wunsch, als Soldaten der Garde anerkannt zu werden.
Waffentaten
Im Oktober 1812 erhielt General Konopka in Grodno den Befehl, zwei Eskadrons nach Minsk zu führen. Statt den direktesten Weg zu nehmen, beschloss er, in Slonim Halt zu machen, wo seine Familie ein Anwesen besaß. Die Lanzenreiter lagen dort mehrere Tage in Quartier, trotz der Bedenken von Major Tański, den Konopka nach Grodno zurückschickte.
In der Nacht zum 19. Oktober überraschten russische Truppen unter General Eufemiusz Czaplic, aus dem Armeekorps von Admiral Tschitschagow, die Kantonnements. Der Widerstand war heftig, wie die schweren Verluste unter den Offizieren belegen, doch das Regiment wurde geschlagen. Der verwundete Konopka geriet mit 55 Offizieren und Unteroffizieren, fünf Trompetern und 186 Chevaulegers in Gefangenschaft; die übrigen wurden getötet oder verwundet. Die Quellen stimmen in der Gesamtzahl nicht überein: Paul Lindsay Dawson zählt 14 Offiziere und 253 gefangene Reiter, Dempsey 249 Gefangene, darunter 14 Offiziere. Die Papiere und die Buchführung des Korps gingen verloren, dazu erhebliches Material.
Die beiden anderen Eskadrons, in Grodno unter Major Tański aufgestellt, und die Überlebenden von Slonim bildeten nun das ganze Regiment, auf rund fünfhundert Mann geschrumpft. Im Januar 1813 verstärkten es sechzig litauische Gendarmen.
Erbe und Erinnerung
Das 3. Lanzenreiterregiment erlebte also weder eine große Feldschlacht noch eine berühmte Attacke. Es wurde am 22. März 1813 offiziell aufgelöst, seine Teile wurden dem 1. Lanzenreiterregiment der Garde zugeschlagen, doch die Verschmelzung wurde erst am 11. April wirksam.
Seine Geschichte beleuchtet eine weniger bekannte Seite des Jahres 1812: Napoleons Bemühen, Litauen zu mobilisieren, und die Brüchigkeit dieser Unterstützung, sobald die Armee zurückwich. Sie erinnert auch daran, dass eine Eliteeinheit nicht im Feuer einer Schlacht, sondern durch einen unvorsichtigen Halt hinter der Front vernichtet werden kann.