Im Juni 1806 wurde die Batavische Republik zum Königreich Holland, und Louis Bonaparte erhielt die Krone. Napoleon erwartete einen gekrönten Präfekten: einen König, der die Sperre durchsetzt, Rekruten hebt und zahlt. Louis, kränklich, gewissenhaft und starrköpfig, tat genau das Gegenteil — er nahm das Amt des Königs jenes Landes ernst.
Er lernte Niederländisch, ließ sich Lodewijk nennen, duldete den Schmuggel, der die Häfen ernährte, verweigerte die allgemeine Wehrpflicht und half massiv den Opfern der Explosion eines Pulverschiffs in Leiden 1807 und der Flut von 1809. Die Holländer, die ihn als Besatzer empfangen hatten, nannten ihn schließlich den guten König. 1808 verlegte er seinen Hof nach Amsterdam und machte das Rathaus am Dam zum Königspalast.
Der Bruch mit Napoleon war dauernd und öffentlich. Die kaiserlichen Briefe wurden beleidigend; man warf ihm vor, Frankreich aus Schwäche für seine Untertanen zu verraten. Am 1. Juli 1810 dankte Louis zugunsten seines Sohnes ab und floh nach Böhmen. Am 9. Juli annektierte ein Dekret Holland kurzerhand: Das Kaiserreich erreichte damit hundertdreißig Departements und die Nordsee.
Die Annexion dauerte drei Jahre und kostete viel: Wehrpflicht, Zölle, Zusammenbruch des Kolonialhandels. Im November 1813, nach Leipzig, erhob sich das Land und rief die Oranier zurück. Louis starb 1846 in Livorno; sein dritter Sohn, Louis-Napoleon, wurde Napoleon III. Der Königspalast am Dam ist Königspalast geblieben.