Orte im Ausland

Braunau am Inn

Festung 1805, Hinrichtung Palms 1806

48.2556°N, 13.0333°E

Als Riegel zwischen Bayern und Österreich fiel Braunau im Oktober 1805 kampflos. Dort wurde am 26. August 1806 der deutsche Buchhändler Johann Philipp Palm erschossen — der erste Märtyrer des deutschen nationalen Erwachens.

Historischer Kontext

Braunau am Inn beherrscht den Innübergang, die Grenze zwischen Bayern und Österreich. Im Oktober 1805, nach der Kapitulation von Ulm, wurde die Festung geräumt und den Franzosen fast kampflos übergeben. Sie wurde rückwärtige Basis für den Marsch auf Wien: Depots, Lazarette, Militärgerichte. Napoleon kam durch und datierte dort mehrere Befehle.

Im folgenden Jahr verbreitete ein Nürnberger Buchhändler namens Johann Philipp Palm eine anonyme Schrift mit dem Titel Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung, die die französische Besatzung anprangerte und die deutschen Fürsten zum Widerstand aufrief. Palm war nicht ihr Verfasser; er weigerte sich, ihn zu nennen. Auf eine Denunziation hin verhaftet, wurde er nach Braunau gebracht und von einer Militärkommission abgeurteilt.

Der Prozess dauerte wenige Stunden, ohne wirkliche Verteidigung. Am 26. August 1806 wurde er mit achtunddreißig Jahren erschossen und hinterließ Frau und vier Kinder. Der Befehl kam unmittelbar von Napoleon, der ein Exempel wollte: Die bis dahin uneinheitliche Zensur deutscher Drucke wurde zur Staatsangelegenheit.

Die Rechnung ging vollständig schief. Palms Tod verbreitete sich in Stichen, Gedichten und Predigten; er nährte die Generation von 1813, jene des Tugendbundes und der preußischen Freiwilligen. Ein Provinzbuchhändler, in einem Städtchen am Inn erschossen, hat für die deutsche Nationalidee mehr getan als manches Manifest. Braunau zeigt die kaiserliche Mechanik an ihrem härtesten — und kontraproduktivsten — Punkt.

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