Der Ort ist eine kleine lombardische Stadt am rechten Ufer der Adda, dreißig Kilometer von Mailand. Der Flussübergang machte das Ereignis vom 10. Mai 1796: Die Österreicher hielten das linke Ufer mit etwa dreißig auf den Brückenbelag gerichteten Geschützen, und die französische Kolonne überquerte zweihundert Meter Brücke unter Kartätschenfeuer.
Die Holzbrücke gibt es nicht mehr. Die heutige ist ein moderner Bau an ungefähr derselben Stelle; eine Tafel und ein Denkmal erinnern an den Tag. Die Stadt hat ihre alte Gestalt um die Piazza della Vittoria und den romanischen Dom bewahrt, und die Adda fließt noch, wo sie floss — mehr bewahrt das Gelände kaum.
Was überlebt hat, ist anderer Art. Hier gaben die Soldaten dem sechsundzwanzigjährigen General den Beinamen kleiner Korporal, und von Lodi datierte er auf St. Helena den Augenblick, in dem er aufhörte, sich als Ausführenden zu sehen: An jenem Abend, sagte er, hielt er sich für einen überlegenen Menschen, und ihm kam der Gedanke, er könne ein entscheidender Akteur der politischen Bühne werden.
Militärisch ist die Schlacht zweitrangig: Das österreichische Heer zog geordnet ab, und das wirkliche Ergebnis des Feldzugs fiel acht Monate später bei Rivoli. Lodi zählt für das, was es im Kopf eines Mannes und in dem seiner Soldaten hervorbrachte — die erste heroische Erzählung seiner eigenen Legende, von ihm selbst, an Ort und Stelle, in seinen Bulletins geschrieben.