Unter einer unscheinbaren Kirche am Neuen Markt versammelt die Kapuzinergruft seit 1633 fast das gesamte Haus Österreich: hundertfünfzig Bestattungen, Bronzesarkophage voller gekrönter Totenköpfe, eine Anhäufung, die besser als jeder Vertrag sagt, was eine ununterbrochene Dynastie ist. Dort, nicht in Paris oder Parma, wurde Napoleons Familie den Habsburgern zurückgegeben.
Marie Louise wurde nach ihrem Tod in Parma am 17. Dezember 1847 dort beigesetzt. Ihr Sarg trägt ihre österreichischen Titel: Erzherzogin von Österreich, Herzogin von Parma. Nichts erinnert daran, dass sie vier Jahre lang Kaiserin der Franzosen war oder 1814 die Regentschaft des Kaiserreichs führte.
Ihr Sohn war ihr fünfzehn Jahre vorausgegangen. Napoleon II., als Herzog von Reichstadt erzogen, starb am 22. Juli 1832 mit einundzwanzig Jahren in Schönbrunn an Tuberkulose und kam in die Gruft neben seinen Großvater Franz I. — eben jenen, der seine Tochter ausgeliefert und dann seinen Schwiegersohn gestürzt hatte.
Am 15. Dezember 1940, dem Jahrestag der Rückführung der Asche, ließ Hitler den Sarg des Herzogs von Reichstadt in den Invalidendom überführen, als Geschenk an das besetzte Frankreich. Die auf Wirkung berechnete Aktion ließ Herz und Eingeweide in Wien, nach habsburgischem Brauch in zwei weiteren Grüften der Stadt verwahrt. So bleibt die französische Kaiserfamilie zwischen zwei Hauptstädten geteilt und der Herzog von Reichstadt zwischen drei Kirchen.