Regalien & Krönung

Die Kaiserkrone

Die Kaiserkrone

Krone Karls des Großen, Gold und Email: das Insigne der Krönung von 1804 und die Inszenierung der kaiserlichen Macht in Notre-Dame.

Ursprünge und Vorgeschichte

Die Kaiserkrone, die Napoleon am 2. Dezember 1804 trug, war keine Schöpfung aus dem Nichts: Sie beanspruchte ausdrücklich das Erbe Karls des Großen. Martin-Guillaume Biennais, der Hofgoldschmied des Kaisers, entwarf mit François-Regnault Nitot ein Diadem aus Gold mit Emailtechnik, besetzt mit antiken Kameen und Edelsteinen aus der Nationalkasse, umrahmt von acht Bögen, die eine Mitra bilden — Symbol der doppelten Würde, königlich und kaiserlich.

Das ikonographische Programm folgte einer präzisen politischen Logik: Indem er sich als Nachfolger des von Papst Leo III. im Jahr 800 gekrönten Königs der Franken präsentierte, wandte sich Napoleon an die deutschen Fürsten der künftigen Rheinbundesstaaten, an die katholische Öffentlichkeit und an die europäischen Höfe, die der Revolution noch misstrauten. Das Französische Reich war keine jakobinische Usurpation, sondern die Wiedergeburt einer unter einem militärischen Oberhaupt vereinten lateinischen Christenheit.

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Geburt des imperialen Symbols

Die Krönung in Notre-Dame de Paris, in Gegenwart des Papstes Pius VII., der trotz diplomatischer Spannungen aus Rom gekommen war — der Pontifex hatte zunächst abgelehnt, einen Kaiser zu krönen, der seine weltliche Autorität nicht anerkannte —, war eine minutiös geprobt Inszenierung. Napoleon trug den Hermelinmantel mit Bienen, hielt Karls Zepter und die Hand der Gerechtigkeit; doch im entscheidenden Moment griff er die Krone vom Altar und setzte sie sich selbst auf.

David verewigte diese Geste in seinem für die Tuilerien in Auftrag gegebenen Gemälde: Der Kaiser empfing die Würde nicht passiv, er ergriff sie unter dem Blick des Pontifex. Das Bild zirkulierte in Stichen und Kupferstichen in ganz Europa: Es fixierte für die Geschichte die bonapartistische Version der Krönung, in der der persönliche Wille über das kirchliche Ritual triumphierte.

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Offizielle Verwendung

Neben der sogenannten Krone Karls des Großen stand die Krone Frankreichs, eine geschlossene goldene Liliekrone, die Napoleon berührte, aber nicht trug: Sie verkörperte die kapetingische Kontinuität, die das Regime nicht auslöschen wollte, während es sie der kaiserlichen Würde unterordnete. Der doppelte Einsatz der Insignien zeigte die juristische Raffinesse der Krönung: Kaiser der Franzosen und König von Frankreich in potentia, ohne Rückkehr zum Ancien Régime.

Eine zweite, leichtere und offene Krone diente unmittelbar danach der Krönung Josephines. Das Kaiserpaar erschien als Gründerdynastie vor Kardinälen, Senatoren und Botschaftern; die Geste behauptete geteilte Souveränität, auch wenn der biologische Erbe unsicher blieb und die Scheidung von 1809 diese symbolische Einheit zerstören würde.

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In der Armee und im Kampf

Die Kronen waren nicht bloß Paradejuwelen: Sie wogen auf dem Kopf des Trägers und erinnerten ihn physisch an die Last der Macht. Ihre Herstellung mobilisierte monatelang die besten Pariser Handwerker; jede von Denon ausgewählte antike Kamee verwies auf die römische Antike und die Legitimität der Cäsaren.

Nach der Zeremonie gelangten die Kronen in die kaiserliche Schatzkammer der Tuilerien, später ins Louvre. Reproduktionen erschienen auf Gold- und Silbermünzen, Gedenkmedaillen, offiziellen Porträts von Gérard, Ingres oder Gros. Ein Untertan, der die Krönung nie gesehen hatte, erkannte dennoch die Silhouette des achtböckigen Diadems.

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Propaganda und Darstellung

Bei feierlichen Einzügen und diplomatischen Audienzen konnten leichtere Kopien gezeigt werden; das Original blieb im Herzen der Schatzkammer. Die Koalitionsstreitkräfte, die 1814 und 1815 Paris besetzten, zerstörten diese Objekte nicht: Sie begriffen ihren Wert als Trophäen der Zivilisation ebenso wie des Krieges.

Die restaurierten Bourbonen nutzten die kaiserlichen Insignien nicht für ihre eigene Krönung: Sie erfanden ein bescheideneres Ritual und tilgten teilweise die Erinnerung an den 2. Dezember. Doch die Kronen wurden weder eingeschmolzen noch verkauft; sie gingen ins nationale Erbe über, materielle Zeugen eines Regimes, das die Kunst der Legitimität durch das Objekt beherrschte.

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Nachleben und Sammlungen

Im 19. Jahrhundert vervielfachte der napoleonische Kult Bronzekopien, Fantasieschmuck und fromme Bilder. Die Krone Karls des Großen wurde zum zusammenfassenden Emblem des Reiches: unmittelbarer als Mantel oder Zepter, sie passte auf eine Medaille in die Handfläche.

Historiker des 20. Jahrhunderts studierten Krönungsinventare, Biennais' Rechnungen, Augenzeugenberichte — Talleyrand, Cambacérès, Kardinal Fesch —, um die wirkliche Liturgie von der davidischen Legende zu unterscheiden. Die Geste der Selbstkrönung ist belegt; ihre Deutung — revolutionäre Kühnheit oder karolingische Tradition — bleibt umstritten.

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Erinnerung und Debatte

Heute im Louvre, Abteilung für Kunsthandwerk, aufbewahrt, gehören die Kaiserkronen zu den meistbesuchten Stücken der napoleonischen Route. Allein ihr Anblick evoziert den Prunk der Krönung, die Spannung zwischen Rom und Paris und den Willen eines zum Kaiser gewordenen Generals, sich in die lange Dauer der französischen Geschichte einzuschreiben.

Für Empire Napoléon verdichtet die Kaiserkrone das Paradox des 2. Dezember: religiöse Zeremonie und persönliche Behauptung; Karl der Große und Bonaparte; monarchisches Frankreich und Erbe der Revolution — ein goldener Kreis, der in wenigen Zentimetern den Ehrgeiz eines ganzen Jahrhunderts trägt.

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